Was aus dem Patriotismus der Turner geworden ist

Jahn
„Turnvater“ Jahn (links sein Bild)  war Patriot durch und durch. Auf seinem Turnplatz, der Hasenheide in Berlin, ließ er immer auch den „kleinen Krieg“ üben mit Patrouillen und Überfällen. Er wollte seine Zöglinge fit machen für den Kampf gegen Napoleon und die Franzosen.
Doch was ist aus dem gesunden Patriotismus, dem positiven Nationalbewusstsein der Turner geworden? Die Nationalsozialisten verkehrten es auf gespenstische Weise, was die Chronik des TV Illingen anschaulich dokumentiert. Hass und Rassismus zeigten ihre hässliche Fratze, führten schnell zur Katastrophe: Am 10. November 1938 brannte in Illingen die Synagoge, Juden wurden aus ihren Häusern gezerrt, beleidigt, misshandelt und mit Lastwagen nach Saarbrücken ins Gefängnis Lerchenflur transportiert, von dort in die Konzentrationslager.

Die Geschichte des Rassismus lässt sich verfolgen. Sie ist eng verknüpft mit der Stadt Jena, genauer: mit der Universität dieser Stadt. Hier lehrte Mitte des 19. Jahrhunderts Professor Ernst Haeckel, genannt „der deutsche Darwin“. Doch im Gegensatz zu Darwin, der die fließenden Übergänge und Zwischenformen betonte, dachte Haeckel kategorial. Er klassifizierte in einem als Wissenschaft getarnten Willkürakt zwölf unterschiedliche „Menschenrassen“: ganz unten die Papua aus Neuguinea und die Hottentotten Südafrikas, ganz oben die Indogermanen (Arier). Haeckel war vom angesehenen Wissenschaftler zum Ideologen mutiert.
Gymnasiallehrer Hans Günther („Rassengünther“) wandelte auf Haeckels Spuren, wurde zum Urheber der nationalsozialistischen Rassenideologie. Hitler dankte es ihm 1930 durch die Ernennung zum Professor der Uni Jena. In Günthers Antrittsvorlesung „Rassenkunde des deutschen Volkes“ waren neben Hitler auch Göring und Heß vor Ort – es war in Hitlers Leben sein einziger Uni-Besuch.
Ebenfalls in Jena, gerade vor zwei Monaten, am 10.09.2019, veröffentlichte eine internationale Schar renommierter Zoologen, Evolutionsforscher und Genetiker die „Jenaer Erklärung“. Ihr Fazit: Rassen gibt es nicht! Natürlich unterscheiden sich Menschengruppen bezüglich ihrer Hautfarbe, ihrer Augen- oder Körperform, was bekanntlich weltweit zu grausamster Verfolgung, zu Versklavung und Ermordung von Millionen Menschen geführt hat. In der menschlichen DNA, die in ihren 3,2 Milliarden Sequenzen komplett erfasst ist, findet sich kein einziges signifikantes Merkmal, das z. B. Afrikaner von Nichtafrikanern unterscheidet. Ein Saarländer kann sich genetisch mehr von einem anderen Saarländer unterscheiden als von einem nordafrikanischen Migranten. Mit der „Jenaer Erklärung“ rufen die Verfasser dazu auf, den Ausdruck „Rasse“ nicht länger zu verwenden und sich gegen rassistische Diskriminierung einzusetzen.
Finnland, Schweden, Österreich und Frankreich haben das Wort „Rasse“ in ihren Verfassungen bereits gestrichen. Wir noch nicht: In Artikel 3 unseres Grundgesetzes heißt es unter anderem, dass niemand wegen seiner Rasse benachteiligt oder bevorzugt werden darf.
Die Väter der „Jenaer Erklärung“ sind sich einig: Eine Streichung des Wortes Rasse aus dem öffentlichen Sprachgebrauch wird Rassismus leider nicht verhindern.

SYNA10006

Nach der Kristallnacht: ausgebrannte Synagoge in Illingen

Geschrieben von wolfiweber

13. November 2019 um 15:01

Abgelegt in Das Jahr 2018

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